Biologie
Was ist der Unterschied zwischen Kopfschmerzen und Migräne?
Gewöhnlicher Kopfschmerz entsteht durch verspannte Muskeln und drückt dumpf auf beiden Seiten, ohne sich bei Bewegung zu verschlimmern. Migräne ist eine neurologische Attacke, bei der ein Nerv die Blutgefäße der Hirnhäute reizt, wodurch der Schmerz meist einseitig im Pulstakt pocht und bei Bewegung schlimmer wird.
Zwei völlig verschiedene Baustellen im Kopf
Auch wenn beide 'Kopfschmerz' heißen, spielt sich das Geschehen an unterschiedlichen Orten ab. Der Spannungskopfschmerz ist ein muskuläres Problem: Nacken-, Schläfen- und Kiefermuskulatur verkrampfen sich, oft durch Stress, verspannte Haltung am Schreibtisch oder zu wenig Schlaf. Diese Verspannung überträgt sich als gleichmäßiger Druck auf den ganzen Kopf, ähnlich einem zu engen Hut. Migräne dagegen ist keine reine Muskelsache, sondern eine Funktionsstörung im Nervensystem. Der Trigeminusnerv, der Gesicht und Hirnhäute versorgt, wird bei einer Migräneattacke überaktiv und schüttet den Botenstoff CGRP aus. Das ist ein grundlegender Unterschied: Der eine Kopfschmerz kommt von außen durch Muskelzug, der andere von innen durch eine Fehlregulation der Schmerzverarbeitung selbst.
Warum der Migräne-Schmerz pocht und meist nur eine Seite trifft
CGRP wirkt an den Blutgefäßen der Hirnhäute: Es weitet sie und löst eine leichte, sterile Entzündung aus. Weil sich diese Gefäße mit jedem Herzschlag zusätzlich dehnen, entsteht der charakteristische pochende, pulsierende Schmerz. Der Trigeminusnerv verzweigt sich in einen rechten und einen linken Ast, die weitgehend unabhängig voneinander aktiv werden können. Wird bei einer Attacke vor allem ein Ast gereizt, bleibt der Schmerz auf dieser Kopfseite konzentriert, kann aber von Attacke zu Attacke auch die Seite wechseln. Der Spannungskopfschmerz hat keine vergleichbare Gefäßbeteiligung, deshalb bleibt er als gleichmäßiger, nicht pulsierender Druck spürbar und meist beidseitig.
Warum Bewegung Migräne verschlimmert, Spannungskopfschmerz aber nicht
Die entzündeten, geweiteten Blutgefäße bei Migräne sind mechanisch empfindlich. Jede Erschütterung, jedes Bücken oder Treppensteigen verändert kurzzeitig den Blutdruck in diesen Gefäßen und reizt die umliegenden Schmerzfasern zusätzlich. Deshalb suchen viele Betroffene instinktiv Ruhe und Stillstand. Verspannte Muskulatur reagiert nicht in gleicher Weise auf Bewegung, weshalb der Spannungskopfschmerz bei normaler Aktivität weitgehend gleich bleibt und manche ihn sogar als erträglicher empfinden, wenn sie sich ablenken oder leicht bewegen.
Woher kommen Übelkeit und Lichtempfindlichkeit
Der Trigeminusnerv endet nicht isoliert, sondern ist im Hirnstamm eng mit Kerngebieten vernetzt, die auch Übelkeit, Erbrechen und die Verarbeitung von Licht- und Geräuschreizen steuern. Ist der Nerv während einer Migräneattacke überaktiv, werden diese benachbarten Zentren mit gereizt. Das erklärt, warum Migräne fast nie nur ein Kopfschmerz ist, sondern ein Bündel aus Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit, das viele am liebsten in einem dunklen, stillen Raum aussitzen. Beim Spannungskopfschmerz fehlt diese Mitbeteiligung der Hirnstammzentren fast vollständig, weshalb Begleitsymptome deutlich seltener und schwächer ausfallen.
Warum unterschiedliche Medikamente helfen
Weil die Ursache verschieden ist, wirkt auch nicht dieselbe Tablette gleich gut. Bei Spannungskopfschmerz reichen meist klassische Schmerzmittel, die die Schmerzweiterleitung allgemein dämpfen. Bei Migräne setzen Triptane gezielter an: Sie verengen die überweiteten Gefäße wieder und bremsen die Ausschüttung von CGRP. In den letzten Jahren kamen zusätzlich Medikamente auf den Markt, die CGRP oder seinen Rezeptor direkt blockieren und speziell zur Migräne-Vorbeugung eingesetzt werden. Das unterstreicht, wie zentral dieser eine Botenstoff für die Migräne ist, während er beim gewöhnlichen Kopfschmerz keine Rolle spielt.
Typische Auslöser im Alltag erkennen
Spannungskopfschmerz wird meist durch äußere Belastung ausgelöst: langes Sitzen in schlechter Haltung, Bildschirmarbeit, Stress oder zu wenig Flüssigkeit. Migräne-Attacken folgen oft einem individuelleren Muster aus Schlafmangel oder auch zu viel Schlaf, hormonellen Schwankungen, bestimmten Nahrungsmitteln, Wetterumschwüngen oder Reizüberflutung. Wer seine eigenen Auslöser über einen Kopfschmerzkalender festhält, erkennt schneller, in welche Kategorie die eigenen Beschwerden fallen und kann gezielter vorbeugen.
Häufige Fragen
Kann man Spannungskopfschmerz und Migräne gleichzeitig haben?
Ja, beide Formen können sich überlagern oder ineinander übergehen, gerade bei häufigen Kopfschmerzen ist eine klare Trennung nicht immer einfach.
Wann sollte ich mit Kopfschmerzen zum Arzt?
Bei sehr plötzlich einsetzenden, ungewohnt starken Schmerzen, häufigen Attacken trotz Medikamenten oder zusätzlichen neurologischen Symptomen sollte ärztlich abgeklärt werden.
Helfen normale Schmerzmittel auch bei Migräne?
In leichten Fällen teilweise ja, bei stärkeren Attacken wirken migränespezifische Mittel wie Triptane aber gezielter und meist zuverlässiger.