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Biologie

Warum wird ein blauer Fleck erst blau, dann grün und gelb, bevor er verschwindet?

Kurz erklärt

Ein blauer Fleck entsteht, weil Blut aus geplatzten Gefäßen ins umliegende Gewebe austritt. Die Farbfolge blau-grün-gelb ist der biochemische Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der über die Zwischenstufen Biliverdin (grün) und Bilirubin (gelb) schließlich abtransportiert wird.

Was beim Stoß im Gewebe passiert

Ein Schlag oder Stoß quetscht kleine Blutgefäße unter der Haut, meist feine Kapillaren. Sie reißen, und Blut tritt aus - allerdings nicht nach außen wie bei einer Schnittwunde, sondern in das umliegende Bindegewebe. Dort sammelt es sich als kleine Blutlache, medizinisch Hämatom genannt. Die Haut selbst bleibt intakt, deshalb sieht man von außen nur eine Verfärbung, keine offene Wunde. Wie groß der Fleck wird, hängt davon ab, wie viele Gefäße betroffen sind und wie locker das Gewebe an der Stelle ist. An Stellen mit viel lockerem Bindegewebe, etwa um die Augen, verteilt sich das Blut leicht und großflächig, deshalb schwellen blaue Augen oft auffällig an.

Warum der erste Ton blau-violett ist, obwohl Blut rot ist

Frisches Blut ist rot, trotzdem erscheint ein frischer Bluterguss blau bis violett. Der Grund liegt darin, wie Licht mit der Haut wechselwirkt. Haut und Gewebe darüber streuen und absorbieren Licht wellenlängenabhängig: Rotes, langwelliges Licht dringt tiefer ein und wird vom Gewebe stärker geschluckt, während blaues, kurzwelliges Licht eher an der Oberfläche zurückgestreut wird und so ins Auge fällt. Genau dieser Effekt sorgt auch dafür, dass Venen unter der Haut bläulich wirken, obwohl das Blut in ihnen ebenfalls rot ist. Zusätzlich ist das Blut im Hämatom sauerstoffärmer als im Kreislauf, was den Farbton weiter Richtung Blau-Violett verschiebt.

Die Aufräumtruppe: Wie der Körper das Blut abbaut

Ausgetretenes Blut kann nicht einfach im Gewebe bleiben, der Körper muss es entsorgen. Dafür wandern Fresszellen, sogenannte Makrophagen, in das betroffene Gewebe ein und nehmen die roten Blutkörperchen sowie das freie Hämoglobin auf. In den Makrophagen wird der eisenhaltige Blutfarbstoff Häm mithilfe des Enzyms Häm-Oxygenase in mehreren Schritten zerlegt. Ein Zwischenprodukt dieses Abbaus ist Biliverdin, ein grüner Gallenfarbstoff. Er ist es, der dem Bluterguss nach einigen Tagen seinen grünlichen Ton verleiht. Das Eisen aus dem Häm wird dabei nicht weggeworfen, sondern vom Körper zurückgewonnen und für die Bildung neuer roter Blutkörperchen wiederverwendet.

Von Grün zu Gelb: die letzte Stufe des Abbaus

Biliverdin ist nur eine Zwischenstation. Ein weiteres Enzym, die Biliverdin-Reduktase, wandelt es in Bilirubin um, einen gelb-bräunlichen Farbstoff. Dieser gelbe Ton ist der letzte, oft blasseste Abschnitt, bevor der Fleck vollständig verblasst. Bilirubin ist kein exotischer Stoff, sondern derselbe, der auch beim normalen, ständigen Abbau alter roter Blutkörperchen in der Leber entsteht und über die Galle ausgeschieden wird. Wenn dieser Prozess im ganzen Körper aus dem Gleichgewicht gerät, etwa bei einer Gelbsucht oder der häufigen Neugeborenengelbsucht, färbt genau dieser Stoff die Haut gelblich. Im Bluterguss läuft im Kleinen also derselbe Abbau ab wie sonst im gesamten Körper.

Warum die Farbfolge eine grobe Uhr ist - und keine exakte

Weil Häm-Oxygenase und Biliverdin-Reduktase mit einigermaßen gleichmäßiger Geschwindigkeit arbeiten, folgt der Abbau überall im Körper ungefähr demselben Muster. Deshalb lässt sich aus der Farbe eines blauen Flecks grob abschätzen, wie alt er ist: frisch bedeutet blau-violett, nach etwa einer Woche eher grün-gelb, kurz vor dem Verschwinden blassgelb bis bräunlich. Genau diese Eigenschaft nutzt zum Beispiel die Rechtsmedizin, um den ungefähren Zeitpunkt einer Verletzung einzugrenzen. Eine exakte Uhr ist es aber nicht: Wie schnell ein Fleck durch die Farben wandert, hängt auch von der Tiefe des Blutergusses im Gewebe, der betroffenen Körperstelle, dem Alter und der individuellen Durchblutung ab. Tiefere Blutergüsse, etwa in der Muskulatur, zeigen sich an der Hautoberfläche oft erst mit Verzögerung und verblassen langsamer als oberflächliche.

Wann ein blauer Fleck genauer angeschaut werden sollte

Die meisten Blutergüsse sind harmlos und heilen von selbst innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Aufmerksam werden sollte man, wenn ein Fleck ohne erkennbaren Anlass auftaucht, ungewöhnlich groß, schmerzhaft oder hart wird, sich nicht wie beschrieben verfärbt oder über Wochen unverändert bleibt. Auch häufige, gehäuft auftretende Blutergüsse können ein Hinweis auf ein Problem mit der Blutgerinnung sein und gehören dann ärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen

Warum wirken Venen unter der Haut blau, obwohl das Blut darin rot ist?

Aus demselben Grund wie beim frischen Bluterguss: Die Haut streut kurzwelliges blaues Licht stärker zurück als langwelliges rotes, das tiefer eindringt und absorbiert wird, dadurch erscheint das Gefäß bläulich.

Warum verschwinden manche blauen Flecken schneller als andere?

Die Abbaugeschwindigkeit hängt von der Tiefe und Größe des Blutergusses, der betroffenen Körperstelle, dem Alter und der individuellen Durchblutung ab, deshalb ist die Zeitspanne von Person zu Person unterschiedlich.

Hilft Kühlen oder Wärme, damit ein blauer Fleck schneller verschwindet?

Direkt nach dem Stoß hilft Kühlen, weil es die Gefäße verengt und weiteres Bluten ins Gewebe begrenzt. Nach ein bis zwei Tagen fördert leichte Wärme die Durchblutung und damit den Abtransport der Abbaustoffe.

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Quelle
Standardwissen aus Physiologie und Dermatologie: Hämoglobinabbau über Häm-Oxygenase zu Biliverdin und weiter über Biliverdin-Reduktase zu Bilirubin.