Biologie
Warum knackt es, wenn man mit den Fingern knackt?
In der Gelenkkapsel schwimmt Flüssigkeit mit gelöstem Gas. Zieht man kräftig am Finger, sinkt der Druck in der Kapsel schlagartig, eine Gasblase entsteht und ihr Kollaps erzeugt das Knackgeräusch.
Was in der Gelenkkapsel steckt
Jedes Fingergelenk ist von einer Kapsel umschlossen, in der Synovialflüssigkeit als Gleitmittel zirkuliert. Diese Flüssigkeit ist kein reines Wasser, sondern enthält gelöste Gase, vor allem Kohlendioxid. Solange der Druck in der Kapsel normal ist, bleiben diese Gase im flüssigen Zustand gelöst, ähnlich wie CO2 in einer geschlossenen Flasche Mineralwasser. Erst eine Druckänderung bringt das System aus dem Gleichgewicht.
Der Moment des Knackens: Kavitation
Zieht man kräftig an einem Finger oder überstreckt das Gelenk, vergrößert sich das Volumen der Gelenkkapsel plötzlich. Dadurch fällt der Druck im Inneren stark ab. Weil Gase bei niedrigerem Druck schlechter löslich sind, reißt sich das gelöste Gas blitzartig aus der Flüssigkeit und bildet eine Blase. Der Kollaps dieser Blase, ein physikalischer Vorgang namens Kavitation, ist die eigentliche Schallquelle. Echtzeit-Bildgebung von Gelenken beim Knacken hat gezeigt, dass genau in diesem Moment tatsächlich ein Hohlraum in der Gelenkflüssigkeit entsteht und wieder verschwindet, synchron zum hörbaren Knack.
Warum man denselben Finger nicht sofort wieder knacken kann
Nach dem Knacken ist das Gas nicht weg, es hat sich nur wieder in der Synovialflüssigkeit verteilt. Damit sich genug Gas erneut ansammelt, um eine neue Blase bilden zu können, muss es sich erst wieder vollständig lösen und im Gelenk neu konzentrieren. Dieser Prozess braucht Zeit, etwa 20 Minuten. Deshalb bleibt derselbe Finger für eine Weile stumm, während andere Finger sofort wieder knacken können, weil ihre Gelenkkapseln unabhängig voneinander funktionieren.
Macht Fingerknacken Arthrose?
Der Verdacht, dass wiederholtes Knacken die Gelenke schädigt und Arthrose begünstigt, hält sich hartnäckig, ist aber durch die Forschung nicht gestützt. Ein bekannter Beleg dafür ist ein jahrzehntelanger Selbstversuch, bei dem eine Hand über einen sehr langen Zeitraum regelmäßig geknackt wurde, während die andere unbehandelt blieb, ohne dass sich ein Unterschied im Gelenkzustand zeigte. Die Kavitationsblase entsteht in der Gelenkflüssigkeit selbst und nicht durch Reibung an Knorpel oder Knochen, weshalb der Mechanismus auch keinen direkten Weg liefert, wie er den Knorpel abnutzen sollte.
Warum manche Menschen öfter knacken können als andere
Nicht jedes Gelenk lässt sich gleich leicht knacken. Wie stark die Kapsel gedehnt werden muss, damit der Druckabfall groß genug für eine Blase ist, hängt von der individuellen Beweglichkeit und Spannung der Bänder und der Gelenkkapsel ab. Menschen mit besonders dehnbarem Bindegewebe können ihre Gelenke oft leichter und häufiger zum Knacken bringen. Das ist auch der Grund, warum manche Leute fast jedes Gelenk knacken können, von den Fingern über die Zehen bis zum Nacken, während andere es kaum hinbekommen.
Ist das Knacken selbst unbedenklich?
Auch wenn Arthrose als Folge widerlegt gilt, heißt das nicht automatisch, dass häufiges, gewaltsames Knacken völlig ohne jede Wirkung bleibt. Manche Untersuchungen zur Griffkraft und Beweglichkeit liefern uneinheitliche Ergebnisse, ein klarer, gut belegter Schaden lässt sich daraus aber nicht ableiten. Wer die eigenen Gelenke stark überstreckt, um sie knacken zu lassen, sollte es dennoch nicht übertreiben, einfach weil starke Krafteinwirkung auf ein Gelenk grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen ist, unabhängig vom Knackgeräusch selbst.
Häufige Fragen
Warum knacken manche Gelenke lauter als andere?
Die Lautstärke hängt von der Größe des Gelenks und der Menge des freigesetzten Gases ab. Größere Gelenke wie das Knie erzeugen tendenziell einen tieferen, kräftigeren Knack als kleine Fingergelenke.
Kann man auch andere Gelenke wie Knie oder Rücken auf die gleiche Weise knacken lassen?
Ja, das Prinzip der Kavitation funktioniert in jeder Gelenkkapsel mit Synovialflüssigkeit, also auch in Knie, Hüfte, Wirbelsäule oder Zehen, sobald sich das Kapselvolumen schnell genug vergrößert.
Warum lässt der Drang, die Finger zu knacken, oft nach längerer Ruhephase wieder nach?
Manche Menschen empfinden ein Spannungsgefühl im Gelenk, sobald sich wieder genug Gas angesammelt hat. Das Knacken löst diese Spannung, was den Drang danach häufig subjektiv verstärkt.