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Biologie

Warum tut ein Bienenstich noch weh, wenn der Stachel schon entfernt ist?

Kurz erklärt

Weil das Bienengift schon in Sekundenschnelle ins Gewebe gepumpt wurde, bevor der Stachel überhaupt gezogen werden konnte. Der Nachschmerz kommt vom Gift selbst und von der körpereigenen Entzündungsreaktion darauf, nicht vom Stachel.

Der Stachel ist nur die Nadel, das Gift macht den Schmerz

Beim Stich bohrt sich der Stachel der Biene ins Gewebe und funktioniert wie eine winzige Injektionsnadel. Innerhalb weniger Sekunden pumpt die daran hängende Giftblase Bienengift, das sogenannte Apitoxin, in die Haut. Der wichtigste Wirkstoff darin ist das Peptid Melittin. Es reizt direkt die Nozizeptoren, also die Schmerzfühler in der Haut, und schädigt nebenbei Zellmembranen im umliegenden Gewebe. Dieser Vorgang ist abgeschlossen, sobald die Giftblase leergepumpt hat, und das geht schnell. Ob der Stachel danach noch in der Haut steckt oder längst entfernt ist, ändert an der bereits injizierten Giftmenge nichts mehr.

Warum Bienen überhaupt einen Widerhaken-Stachel haben

Der Bienenstachel trägt kleine Widerhaken, ähnlich einer Harpune. Das ist evolutionär auf dicke, ledrige Haut ausgelegt, etwa die von Säugetieren, die Bienenvölker wegen des Honigs oder der Brut angreifen. Bei solcher Haut verankert sich der Stachel so fest, dass er samt Giftblase und angeschlossener Muskulatur in der Wunde stecken bleibt, wenn die Biene wegfliegt. Die zurückgelassene Muskulatur pumpt dann sogar noch weiter, auch ganz ohne Biene. Für die Biene selbst ist das der Preis: Da mit dem Stachel auch Teile ihrer Eingeweide herausgerissen werden, stirbt sie nach dem Stich. Bei dünnhäutigen Insekten oder anderen Gliederfüßern rutscht der Stachel dagegen wieder heraus, weshalb Bienen andere Insekten mehrfach stechen können, ohne draufzugehen.

Wespen ohne Widerhaken, deshalb überleben sie den Stich

Wespen und Hornissen haben einen glatten, nicht verankerten Stachel. Sie können ihn nach dem Stich problemlos wieder herausziehen und mehrfach zustechen. Ihr Gift wirkt zwar anders zusammengesetzt, verursacht aber nach einem ähnlichen Prinzip Schmerz und Reizung. Der Grund, warum ausgerechnet die Honigbiene den aufwendigeren und für sie selbst tödlichen Widerhaken-Stachel entwickelt hat, liegt in ihrer Lebensweise: Ein Bienenvolk verteidigt einen wertvollen, ortsfesten Bau mit Honigvorräten und Brut über Jahre hinweg. Der Verlust einzelner Arbeiterinnen beim Verteidigen ist für das Volk als Ganzes verkraftbar, ein wirksamer Abschreckungsstich gegen große Angreifer aber überlebenswichtig.

Die Entzündung, die den Schmerz stundenlang wach hält

Sobald Melittin und die anderen Giftbestandteile im Gewebe sind, schaltet sich das körpereigene Immunsystem ein. Mastzellen in der Haut schütten Histamin aus, einen Botenstoff, der Blutgefäße erweitert und durchlässiger macht. Dadurch strömt Flüssigkeit ins Gewebe, es entstehen die typische Rötung, die Schwellung und ein Wärmegefühl an der Einstichstelle. Diese Entzündungsreaktion ist eigentlich sinnvoll, sie soll helfen, Fremdstoffe zu verdünnen und Immunzellen an den Ort des Geschehens zu bringen. Der Nebeneffekt ist aber, dass sie den dumpfen, pochenden Nachschmerz noch Stunden nach dem eigentlichen Stich aufrechterhält, lange nachdem das ursprüngliche Gift seine akute Wirkung entfaltet hat.

Was beim Stich tatsächlich hilft, und was nicht

Weil der Schmerz zu einem großen Teil aus der Histaminreaktion kommt, hilft Kühlen am meisten: Kälte verengt die Blutgefäße wieder, bremst die Ausbreitung von Gift und Botenstoffen im Gewebe und lindert Schwellung wie Juckreiz. Schnelles Entfernen des Stachels ist trotzdem sinnvoll, aber aus einem anderen Grund: Steckt er noch mit intakter Muskulatur in der Haut, pumpt er unter Umständen weiter Gift nach, auch wenn die Biene längst weg ist. Je eher der Stachel raus ist, desto geringer die insgesamt injizierte Giftmenge. Beides schließt sich also nicht aus, nur ändert das Entfernen nichts mehr an dem, was bereits im Gewebe wirkt.

Wenn der Körper überreagiert: die Bienengiftallergie

Bei den allermeisten Menschen bleibt die Reaktion auf das Gebiet um die Einstichstelle begrenzt. Bei manchen Menschen stuft das Immunsystem Bienengift jedoch als generelle Bedrohung ein und reagiert bei einem erneuten Stich mit einer überschießenden, körperweiten Histaminausschüttung. Das kann von großflächigen Schwellungen fernab der Einstichstelle bis zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock reichen, mit Kreislaufversagen und Atemnot. Diese Überempfindlichkeit entwickelt sich typischerweise erst nach einem oder mehreren vorangegangenen Stichen, wenn sich das Immunsystem auf Bienengift-Eiweiße sensibilisiert hat. Wer nach einem Stich Symptome fernab der Einstichstelle bemerkt, etwa Atembeschwerden oder Schwindel, sollte das ärztlich abklären lassen.

Häufige Fragen

Stirbt eine Biene wirklich nach jedem Stich?

Nur wenn sie in dickere, verankernde Haut sticht und dabei ihren Widerhaken-Stachel samt Eingeweideteilen verliert, etwa bei Menschen oder anderen Säugetieren. Gegen andere Insekten kann sie den Stachel oft wieder herausziehen und überlebt.

Warum juckt die Einstichstelle noch tagelang?

Das ist die abklingende Histamin-Entzündungsreaktion der Haut, nicht mehr das Gift selbst. Sie kann je nach individueller Empfindlichkeit unterschiedlich lange anhalten.

Hilft Hitze statt Kälte gegen den Schmerz?

Manche schwören auf kurze, gezielte Hitze, weil sie Eiweißbestandteile des Gifts denaturieren soll. Belastbarer und einfacher bleibt jedoch Kühlen, das die Entzündungsreaktion direkt bremst.

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Quelle
Fachbegriffe laut Notizen: Apitoxin/Melittin als Hauptwirkstoff des Bienengifts, Nozizeptoren, Mastzellen-Histaminausschüttung; als Ausgangspunkt eignen sich toxikologische Übersichtsarbeiten zu Apis-mellifera-Gift.