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Biologie

Warum muss man niesen?

Kurz erklärt

Niesen ist ein Schutzreflex des Körpers: Reizstoffe wie Staub, Pollen oder Viren aktivieren Nervenzellen in der Nasenschleimhaut, die über das Nieszentrum im Hirnstamm einen explosionsartigen Luftausstoß auslösen und damit Fremdkörper und Erreger aus den oberen Atemwegen befördern.

Der Reflexbogen: Wie aus einem Kitzeln ein Niesen wird

In der Nasenschleimhaut sitzen feine Nervenenden des Trigeminusnervs. Sie reagieren auf mechanische und chemische Reize: ein Staubkorn, Pollen, scharfe Gerüche, aber auch Viren und Bakterien bei einer Erkältung. Sobald genug Reiz gemeldet wird, leitet der Nerv das Signal weiter an das verlängerte Rückenmark, genauer an das sogenannte Nieszentrum in der Medulla oblongata. Von dort aus läuft ein fest verdrahtetes Programm ab, das mehrere Muskelgruppen in einer bestimmten Reihenfolge ansteuert: erst ein tiefer Atemzug, dann ein kurzer Verschluss der Stimmritze, während sich Brustkorb und Bauchmuskulatur anspannen und Druck aufbauen. Löst sich der Verschluss, entweicht die Luft schlagartig durch Nase und Mund und reißt dabei Schleim, Staub und Krankheitserreger mit sich. Genau darin liegt der biologische Sinn: Niesen ist eine Reinigungsfunktion, die die oberen Atemwege freihält.

Warum man dagegen fast nichts tun kann

Anders als etwa das Greifen nach einer Tasse wird der Niesreflex nicht vom bewusst steuernden Großhirn ausgelöst, sondern vom Hirnstamm, einem stammesgeschichtlich sehr alten Teil des Nervensystems. Solche Reflexe laufen automatisch ab, sobald der Reiz eine gewisse Schwelle überschreitet. Das Großhirn kann den Ablauf allenfalls kurz hinauszögern, indem man zum Beispiel bewusst gegen den Atemdrang ansteuert. Vollständig unterdrücken lässt sich der Reflex aber kaum, weil das Steuerzentrum außerhalb der willentlichen Kontrolle liegt. Das ist evolutionär durchaus sinnvoll: Ein Schutzmechanismus, der auf Bewusstsein und Entscheidung angewiesen wäre, würde im Ernstfall zu langsam reagieren.

Warum sich beim Niesen automatisch die Augen schließen

Ein hartnäckiger Mythos behauptet, die Augen müssten sich schließen, damit sie nicht durch den Druck aus dem Kopf herausgedrückt werden. Das ist falsch, der beim Niesen erzeugte Druck reicht dafür bei weitem nicht aus, und tatsächlich gibt es Berichte von Menschen, die mit offenen Augen geniest haben, ohne Schaden zu nehmen. Der Lidschluss ist stattdessen einfach ein Teil desselben Reflexprogramms, das vom Nieszentrum mitausgelöst wird, ähnlich wie das Zucken einer Muskelgruppe bei einem Kniesehnenreflex. Es ist eine unwillkürliche Begleitreaktion, kein eigenständiger Schutzmechanismus für die Augen.

Warum manche Menschen beim Blick in die Sonne niesen müssen

Ein Teil der Bevölkerung niest reflexartig, sobald grelles Licht auf die Augen trifft, etwa beim Verlassen eines dunklen Gebäudes. Dieses Phänomen wird photischer Niesreflex genannt und gilt als genetisch bedingt, es tritt gehäuft innerhalb von Familien auf. Erklärt wird es damit, dass die Nervenbahnen von Sehnerv und Trigeminusnerv im Gehirn nah beieinanderliegen und sich bei manchen Menschen die Signale teilweise überschneiden. Ein Reiz, der eigentlich nur die Augen betrifft, aktiviert dadurch fälschlich auch das Nieszentrum. Das zeigt, dass Niesen nicht ausschließlich über die Nase ausgelöst wird, sondern über ein größeres Nervennetzwerk laufen kann.

Warum Zuhalten keine gute Idee ist

Presst man einen Nieser durch Zuhalten von Nase und Mund zurück, verschwindet der aufgebaute Druck nicht einfach, sondern sucht sich einen anderen Weg. Er wird über die Eustachische Röhre ins Mittelohr gedrückt oder in die Nasennebenhöhlen geleitet, statt kontrolliert nach außen zu entweichen. Das kann unangenehmen Druck auf dem Ohr erzeugen und im ungünstigen Fall die Schleimhäute reizen. Deutlich unbedenklicher ist es, in die Armbeuge oder ein Taschentuch zu niesen: Der Reflex läuft dann normal ab und der Ausstoß wird gleichzeitig aufgefangen, statt sich frei im Raum zu verteilen.

Warum ein Nieser andere anstecken kann

Weil beim Niesen Schleim und Speichel mit hoher Kraft aus Nase und Mund geschleudert werden, verteilen sich darin enthaltene Viren und Bakterien als feine Tröpfchen und Aerosole in der Umgebungsluft. Wer erkältet ist, trägt über diesen Mechanismus aktiv zur Verbreitung von Erregern bei, was den Schutzreflex für den Einzelnen sinnvoll, für die Allgemeinheit aber zu einem Ansteckungsrisiko macht. Genau deshalb ist das Niesen in die Armbeuge mehr als eine Höflichkeitsregel: Es unterbricht den Übertragungsweg, ohne den natürlichen Reflex zu behindern.

Häufige Fragen

Warum muss man manchmal mehrmals hintereinander niesen?

Ein einzelner Nieser entfernt oft nicht alle Reizstoffe aus der Nasenschleimhaut. Solange die Trigeminus-Rezeptoren weiter gereizt bleiben, feuert das Nieszentrum erneut.

Warum niest man beim Essen von scharfem Essen?

Ätherische Öle und Reizstoffe aus Gewürzen können über die Nase in Kontakt mit den Trigeminus-Rezeptoren der Schleimhaut kommen und so denselben Reflex auslösen wie Staub oder Pollen.

Kann man sich das Niesen abtrainieren?

Kaum. Der Reflex wird vom Hirnstamm gesteuert und läuft weitgehend unabhängig vom bewussten Willen ab, allenfalls die Reaktion darauf lässt sich anpassen, etwa durch Niesen in die Armbeuge.

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Quelle
Reflexbogen Trigeminusnerv -> Nieszentrum Medulla oblongata -> Ausatemmuskulatur; keine konkreten Ausstoßgeschwindigkeiten genannt, da wissenschaftlich uneinheitlich gemessen.