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Biologie

Warum sind Füchse so orange gefärbt, obwohl das doch auffällig wirkt?

Das orange Fell tarnt Füchse hervorragend, aber nicht vor unseren Augen, sondern vor denen ihrer Beute. Mäuse und andere Nagetiere sehen Rot- und Orangetöne kaum von Grau oder Braun unterschieden, wodurch der Fuchs für sie im Gras oder Laub fast verschwindet.

Woher kommt die Farbe überhaupt?

Das Fuchsfell verdankt seine warme Farbe dem Pigment Phäomelanin. Es entsteht in den Pigmentzellen der Haarwurzel und lagert sich beim Haarwachstum in die Haarfaser ein. Phäomelanin erzeugt rötlich-orange bis gelbliche Farbtöne, während das zweite große Säugetierpigment, Eumelanin, für Schwarz- und Brauntöne verantwortlich ist. Beim Fuchs überwiegt Phäomelanin an Rücken und Flanken deutlich, nur an Ohren, Pfoten und Schwanzspitze mischen sich dunklere Eumelanin-Anteile dazu. Das Zusammenspiel beider Pigmente erklärt, warum Füchse nicht einfarbig orange sind, sondern ein Muster aus warmen und dunklen Partien tragen.

Der Trick liegt nicht in unseren Augen, sondern in denen der Beute

Auf den ersten Blick wirkt Orange wie das Gegenteil von Tarnung, satt, warm, kontrastreich vor grünem oder braunem Untergrund. Das täuscht aber, weil wir Menschen trichromatisch sehen: Wir besitzen drei Zapfentypen in der Netzhaut und können damit ein sehr breites Farbspektrum unterscheiden, inklusive feiner Abstufungen zwischen Rot, Orange und Grün. Die meisten Nagetiere, die typische Beute des Fuchses, sind dagegen dichromatisch. Ihnen fehlt der Zapfentyp, der für die Rot-Grün-Unterscheidung zuständig ist. Für ein dichromatisches Auge liegen Orange, Braun und Grau viel näher beieinander als für uns. Vor trockenem Gras, Erde oder Herbstlaub verschwimmt der Fuchs für seine Beutetiere deshalb zu einem eher unauffälligen Grauton, obwohl er für uns hell orange leuchtet.

Warum das evolutionär Sinn ergibt

Tarnung muss sich immer an die Augen richten, die tatsächlich zählen, nämlich die der Fressfeinde und der Beute. Ein Fuchs, der für andere Füchse oder für Menschen auffällig aussieht, hat dadurch keinen Nachteil, solange er für die Tiere unsichtbar bleibt, die er jagen oder vor denen er sich verstecken muss. Die Evolution optimiert Fellfarben also nicht nach einem allgemeinen Tarnungsideal, sondern nach dem Sehsystem der relevanten Gegenspieler. Da Nagetiere und viele andere Beutetiere seit jeher dichromatisch sehen, konnte sich beim Fuchs eine Farbe durchsetzen, die für den Menschen wie eine Werbetafel wirkt, biologisch aber hocheffizient ist. Ergänzend spielt Orange auch bei der innerartlichen Kommunikation eine Rolle, es kann bei der Balz oder bei Reviersignalen eine Rolle spielen, wo Sichtbarkeit für Artgenossen sogar von Vorteil ist.

Kein Einzelfall: Auch Tiger nutzen dieselbe Lücke

Das Prinzip ist bei Füchsen kein Sonderfall, sondern ein wiederkehrendes Muster in der Natur. Tiger sind orange-schwarz gestreift und wirken für uns extrem auffällig, für ihre Hauptbeute wie Rehe und andere Huftiere aber deutlich unscheinbarer. Auch viele Huftiere sehen dichromatisch, weshalb das orange-schwarze Streifenmuster im Dickicht für sie zu einem unruhigen Grün-Braun-Muster verschmilzt, das den Umriss des Tigers auflöst. Diese Übereinstimmung bei zwei völlig unterschiedlichen Raubtierarten, Fuchs und Tiger, ist ein starkes Indiz dafür, dass es sich um ein allgemeines evolutionäres Prinzip handelt: Tarnfarbe wird durch das Sehvermögen der Beute geformt, nicht durch das der eigenen Art oder des Menschen.

Was das mit Warnwesten zu tun hat

Der gleiche Mechanismus lässt sich im Alltag beobachten. Warnkleidung in Signalorange soll für Menschen mit trichromatischem Sehen maximal auffallen, sie hebt sich stark von natürlichen Grün- und Brauntönen ab. Für viele Tiere mit eingeschränkterem Farbsehen, etwa Hunde oder verschiedene Wildtiere, wirkt dieselbe Farbe deutlich blasser und weniger kontrastreich. Das zeigt, wie stark Signalwirkung vom Sehsystem des Betrachters abhängt: Ein und dieselbe Farbe kann für ein Auge ein Alarmsignal und für ein anderes fast unsichtbar sein. Genau dieses Prinzip macht den Fuchs zu einem der anschaulichsten Beispiele dafür, dass Tarnung immer relativ zum Betrachter gedacht werden muss.

Haeufige Fragen

Sehen andere Füchse die orange Farbe genauso auffällig wie wir?

Vermutlich ähnlich, da Hunde und mit ihnen verwandte Raubtiere ebenfalls über eingeschränktes Farbsehen verfügen, aber die Signalwirkung innerhalb der Art spielt bei der Partnerwahl und Reviermarkierung ohnehin eine andere Rolle als bei der Jagd.

Warum sind dann nicht alle Raubtiere orange gefärbt?

Die optimale Tarnfarbe hängt vom jeweiligen Lebensraum und den dort vorkommenden Beutetieren ab. In Schnee oder dichtem Wald sind andere Farbmuster, etwa Weiß oder gefleckte Muster, wirksamer als Orange.

Wechseln Füchse ihre Fellfarbe je nach Jahreszeit?

Viele Fuchsarten bekommen im Winter ein dichteres, oft etwas helleres Fell, die Grundfarbe bleibt aber meist erhalten, anders als etwa beim Schneehasen, der komplett auf Weiß wechselt.

Fuxwissen folgen:

Quelle
Belegt u.a. durch Forschung zur Tigerfärbung und Farbwahrnehmung von Beutetieren (Fennell et al., 2019, i-Perception).