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Biologie

Warum haben Dromedare nur einen Höcker und keine zwei?

Dromedare haben sehr wohl einen Höcker, nur eben nur einen einzigen statt zwei wie das Trampeltier. Der Höcker besteht aus reinem Fettgewebe und dient als Energiespeicher, nicht als Wassertank.

Ein Höcker, kein Wassertank

Der Höcker eines Dromedars besteht fast ausschließlich aus Fettgewebe. Er ist kein Reservoir für Wasser, wie es sich viele Menschen vorstellen. Wird das Fett im Höcker als Energiequelle abgebaut, entsteht dabei tatsächlich etwas Wasser, sogenanntes Stoffwechselwasser. Das reicht aber bei weitem nicht aus, um das Kamel längere Zeit ohne Trinken versorgen zu können. Die eigentliche Fähigkeit von Kamelen, lange ohne Wasser auszukommen, beruht auf ganz anderen Anpassungen: Sie können ihren Wasserhaushalt sehr effizient regulieren, verlieren kaum Flüssigkeit über Urin und Schweiß und können außerdem ihre Körpertemperatur stärker schwanken lassen als andere Säugetiere, bevor sie zu schwitzen beginnen.

Warum Fett ausgerechnet im Höcker sitzt

Entscheidend ist, wo das Fett sitzt und wo nicht. Würde sich das Fett gleichmäßig über den ganzen Körper verteilen, wie es bei vielen anderen Tieren der Fall ist, würde es wie eine Isolierschicht wirken und die Wärmeabgabe behindern. In der Wüste ist das ein echtes Problem, denn tagsüber muss überschüssige Körperwärme möglichst schnell wieder abgegeben werden können. Indem das Kamel sein Fett stattdessen an einer einzigen Stelle auf dem Rücken konzentriert, bleibt der restliche Körper vergleichsweise fettarm. Das erleichtert die Wärmeabstrahlung über die große Körperoberfläche und hilft dem Tier, in extremer Hitze nicht zu überhitzen.

Einer oder zwei: eine Frage der Herkunft

Dromedare (Camelus dromedarius) und Trampeltiere (Camelus bactrianus) sind zwei unterschiedliche, aber eng verwandte Kamelarten. Sie haben sich an unterschiedliche Lebensräume angepasst. Das Dromedar stammt aus den heißen, trockenen Wüstenregionen Nordafrikas und der Arabischen Halbinsel. Das Trampeltier lebt dagegen in den kälteren, oft schneebedeckten Steppen und Halbwüsten Zentralasiens, wo es neben großer Hitze im Sommer auch strenge Kälte im Winter aushalten muss. Die zwei Höcker des Trampeltiers bieten schlicht mehr Speicherkapazität für Fettreserven, was in einem raueren Klima mit größeren jahreszeitlichen Schwankungen bei der Futterverfügbarkeit von Vorteil ist. Die Anzahl der Höcker ist also keine zufällige Laune der Evolution, sondern spiegelt die unterschiedlichen klimatischen Anforderungen der jeweiligen Heimat wider.

Der Höcker als Hungermesser

Weil der Höcker vor allem ein Energiespeicher ist, verändert sich seine Form je nach Ernährungszustand des Tieres sichtbar. Bei einem gut genährten Kamel steht der Höcker prall und aufrecht. Muss das Tier über längere Zeit von seinen Fettreserven zehren, etwa weil Futter knapp ist oder es eine lange, anstrengende Strecke zurücklegt, schrumpft der Höcker sichtbar. Er wird schlaff, verliert an Volumen und kann sogar seitlich am Rücken herabhängen. Ein Blick auf den Höcker verrät also recht zuverlässig, wie es um die Energiereserven eines Kamels bestellt ist, ganz ähnlich wie ein Tacho den Kraftstoffstand anzeigt.

Wie das Fett den Höcker wieder aufbaut

Sobald ein Kamel nach einer Hungerperiode wieder ausreichend Nahrung findet, wird überschüssige Energie erneut als Fett im Höckergewebe eingelagert, und der Höcker füllt sich wieder auf. Dieser Kreislauf aus Auf- und Abbau macht den Höcker zu einem äußerst effizienten Puffer: Das Tier kann Energie in Zeiten des Überflusses speichern und sie gezielt in kargen Phasen nutzen, ohne dass Fettreserven den restlichen Körper belasten und die Wärmeregulation stören.

Haeufige Fragen

Woraus besteht der Kamelhöcker wirklich?

Aus Fettgewebe. Es handelt sich um eine konzentrierte Energiereserve, nicht um einen Wasserspeicher.

Warum wird Kamelen so oft nachgesagt, sie speichern Wasser im Höcker?

Weil beim Fettabbau tatsächlich etwas Stoffwechselwasser entsteht. Das reicht aber nicht annähernd aus, um die enorme Trockenresistenz von Kamelen zu erklären.

Warum haben Trampeltiere zwei Höcker und Dromedare nur einen?

Trampeltiere leben in klimatisch raueren Regionen Zentralasiens mit stärkeren Temperatur- und Futterschwankungen und benötigen daher mehr Fettspeicherkapazität als Dromedare in den gleichmäßig heißen Wüsten Nordafrikas und Arabiens.

Fuxwissen folgen:

Quelle
Fachlich gestützt auf zoologische Lehrbuchinhalte zu Camelidae (Camelus dromedarius vs. Camelus bactrianus).