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Chemie

Warum riechen die Hände nach Metall, nachdem man eine Münze angefasst hat?

Kurz erklärt

Nicht das Metall selbst riecht, sondern deine Haut: Eisen aus der Münze reagiert mit Schweiß und Hautfett und erzeugt dabei einen Duftstoff, den die Nase als 'metallisch' erkennt.

Warum Metall an sich gar nicht riechen kann

Ein Geruch entsteht nur, wenn Molekuele in die Luft uebergehen und in der Nase auf Riechrezeptoren treffen. Reines Metall wie Eisen oder Kupfer haelt seine Atome durch die sogenannte Metallbindung sehr fest zusammen. Bei Raumtemperatur loesen sich praktisch keine Atome von der Oberflaeche und schweben durch die Luft. Deshalb riecht eine Muenze in einer geschlossenen Schublade nicht, egal wie lange sie dort liegt. Der vermeintliche Metallgeruch, den man kennt, hat also eine andere Quelle als das Metall selbst - er entsteht erst im Moment der Beruehrung.

Was beim Anfassen auf der Haut passiert

Sobald Finger eine eisenhaltige Muenze beruehren, geraten winzige Mengen Eisen in Kontakt mit Schweiss und dem duennen Fettfilm, der die Haut immer bedeckt. Eisen wirkt dabei als Katalysator fuer eine Reaktion, die aehnlich abzulaeuft wie die sogenannte Fenton-Reaktion aus der Chemie: Eisen-Ionen beschleunigen den Zerfall von Wasserstoffperoxid-Spuren und aehnlichen reaktiven Sauerstoffverbindungen, die auf der Haut ohnehin in geringen Mengen vorkommen. Die dabei freiwerdenden reaktiven Sauerstoff-Teilchen greifen die Fettmolekuele (Lipide) der Haut an und spalten sie in kleinere Bruchstuecke. Dieser Prozess heisst Lipidperoxidation.

Warum es ausgerechnet nach 'Metall' riecht

Unter den Bruchstuecken, die bei dieser Fettoxidation entstehen, sind einige leicht fluechtige Verbindungen, die sofort verdampfen und in die Nase steigen. Eine besonders auffaellige davon ist 1-Octen-3-on. Dieses Molekuel riecht bereits in extrem geringer Konzentration deutlich pilzig-metallisch, die Nase reagiert sehr empfindlich darauf. Genau diesen Duftstoff nehmen wir wahr und ordnen ihn instinktiv 'Metall' zu, obwohl er chemisch ein organisches Fettabbauprodukt ist und mit dem Metall selbst nichts mehr zu tun hat, ausser dass Eisen die Reaktion angestossen hat.

Warum auch Blut metallisch riecht

Dieselbe Erklaerung loest ein zweites bekanntes Phaenomen: den typischen Geruch von Blut. Blut enthaelt Haemoglobin, ein Molekuel mit einem Eisen-Atom im Zentrum. Sobald Blut auf die Haut oder Schleimhaut gelangt, kann dieses Eisen genau dieselbe Kettenreaktion mit koerpereigenen Fetten anstossen wie das Eisen einer Muenze. Das erklaert, warum Blut und Metall fuer unsere Nase so aehnlich riechen: In beiden Faellen ist es eisenkatalysierte Fettoxidation auf der Haut, nicht ein Eigengeruch des Eisens selbst.

Warum nicht jedes Metall gleich stark riecht

Nicht alle Metalle loesen die Reaktion gleich stark aus. Eisen und in geringerem Mass Kupfer sind chemisch reaktionsfreudig genug, um als Katalysator zu wirken, deshalb riechen Cent-Muenzen mit Kupferanteil oder Eisenwerkzeuge nach dem Anfassen deutlich. Edelmetalle wie Gold oder chemisch traege Materialien wie hochwertiger Edelstahl reagieren dagegen kaum mit Hautfetten. Sie fuehlen sich zwar auch metallisch kuehl an, hinterlassen aber kaum den typischen Geruch. Auch individuelle Unterschiede spielen eine Rolle: Wer mehr schwitzt oder eine fettigere Haut hat, liefert mehr Ausgangsmaterial fuer die Reaktion und riecht entsprechend staerker.

Wie man den Geruch wieder loswird

Weil der Duftstoff an den Fettresten auf der Haut haengt und nicht am Metall selbst, hilft reines Abspuelen mit Wasser nur begrenzt. Fett loest sich schlecht in Wasser. Seife dagegen ist genau darauf ausgelegt, Fettmolekuele einzuschliessen und abzuwaschen, deshalb verschwindet der Geruch nach Haendewaschen mit Seife deutlich zuverlaessiger. Wer nur Wasser benutzt, waescht vor allem die restlichen Metallpartikel ab, laesst aber einen Teil der bereits gebildeten Duftmolekuele zurueck.

Häufige Fragen

Riecht reines Gold auch metallisch, wenn man es anfasst?

Kaum. Gold reagiert chemisch sehr traege und kann die fuer den Geruch noetige Fettoxidation auf der Haut praktisch nicht anstossen.

Warum riechen manche Menschen nach dem Anfassen von Metall staerker als andere?

Wer mehr schwitzt oder eine fettigere Haut hat, liefert mehr Ausgangsstoffe fuer die Reaktion mit dem Eisen und riecht dadurch intensiver.

Verschwindet der Geruch von selbst, auch ohne Waschen?

Ja, mit der Zeit bauen sich die fluechtigen Duftmolekuele ab und verdunsten, das dauert aber deutlich laenger als ein kurzes Haendewaschen mit Seife.

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Quelle
Basiert auf der Forschung von Dietmar Glindemann und Kollegen (Angewandte Chemie, 2006) zur Entstehung von Metallgeruch durch eisenkatalysierte Hautlipid-Oxidation.