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Chemie

Warum riecht Erdgas, obwohl Methan eigentlich geruchlos ist?

Kurz erklärt

Reines Erdgas besteht fast nur aus Methan und riecht von Natur aus nicht. Der typische Geruch nach faulen Eiern stammt von einem schwefelhaltigen Warnstoff, der dem Gas absichtlich beigemischt wird, damit Lecks sofort auffallen.

Warum Methan gar nicht riecht

Erdgas besteht zum größten Teil aus Methan, dem einfachsten Kohlenwasserstoff. Sein Molekül ist sehr klein, symmetrisch und chemisch reaktionsarm. Geruchsrezeptoren in der Nase reagieren vor allem auf Moleküle, die bestimmte funktionelle Gruppen tragen, etwa Schwefel-, Stickstoff- oder Sauerstoffatome, an denen sie andocken können. Methan bietet nichts davon. Es ist praktisch geruchsneutral, ähnlich wie reiner Sauerstoff oder Stickstoff, die wir ebenfalls nicht riechen. Genau das macht das Gas im Alltag gefährlich: Ohne Zusatzstoff könnte es unbemerkt aus einer undichten Leitung austreten und sich in einem Raum anreichern, bis eine Zündquelle wie ein Lichtschalter oder eine Herdflamme es entzündet.

Der Trick: ein Warnstoff wird beigemischt

Damit ein Leck nicht erst durch einen Unfall auffällt, wird Erdgas bei der Aufbereitung odoriert, also mit einem Geruchsstoff versetzt. Verwendet werden vor allem schwefelhaltige Verbindungen wie Tetrahydrothiophen (THT) oder verschiedene Mercaptane. Diese Stoffe haben einen intensiven, unangenehmen Geruch, der stark an faule Eier oder verdorbenen Kohl erinnert. Das ist kein Zufall: Schwefelverbindungen entstehen auch beim Verderb von Eiweißen, etwa in verrottenden Lebensmitteln. Die menschliche Nase ist evolutionär auf genau diese Verbindungen extrem empfindlich, weil sie historisch ein verlässliches Signal für verdorbene, gesundheitsschädliche Nahrung waren. Diese uralte Alarmfunktion der Nase wird bei der Gasodorierung gezielt genutzt.

Warum schon winzige Mengen reichen

Der Geruchsstoff wird nur in sehr geringer Konzentration zugesetzt, im ppm-Bereich, also wenige Millionstel Anteile des Gasvolumens. Das genügt, weil die menschliche Geruchsschwelle für Schwefelverbindungen extrem niedrig liegt, deutlich niedriger als bei den meisten anderen Stoffen. Die Odorierung ist so eingestellt, dass der Geruch schon bei einer Gaskonzentration wahrnehmbar ist, die weit unter der unteren Explosionsgrenze liegt. Das schafft eine Sicherheitsmarge: Wer das Gas riecht, hat in aller Regel noch genug Zeit zu lüften und die Wohnung zu verlassen, bevor überhaupt eine gefährliche Konzentration entsteht.

Warum das kein Zufall, sondern Vorschrift ist

Die Odorierung von Erdgas ist in Deutschland kein freiwilliger Service der Versorger, sondern technisch geregelt, unter anderem im DVGW-Arbeitsblatt G 280. Netzbetreiber müssen sicherstellen, dass das Gas an jeder Stelle im Netz ausreichend riecht, auch nach langen Transportwegen durch Rohrleitungen. Ähnlich wird auch Flüssiggas, etwa Autogas oder Gas aus der Grillflasche, künstlich odoriert, da auch Propan und Butan von sich aus kaum riechen. Wer also zu Hause Gasgeruch wahrnimmt, riecht so gut wie nie das Gas selbst, sondern immer den beigemischten Warnstoff. Das System ist bewusst so gebaut, dass die eigene Nase zum ersten und zuverlässigsten Sensor wird, noch vor jedem technischen Gasmelder.

Was der Geruch bedeutet und was zu tun ist

Riecht es nach Gas, ist das immer ernst zu nehmen, selbst wenn es nur schwach ist. Empfohlen wird: Fenster und Türen öffnen, keine elektrischen Schalter, Klingeln oder Handys in der Nähe betätigen, da schon ein kleiner Funke ausreichen kann, die Wohnung verlassen und von draußen den Notruf oder die Störungsnummer des Gasversorgers wählen. Kein offenes Feuer und kein Rauchen. Diese Regeln klingen simpel, sind aber genau deshalb wirksam: Der künstliche Geruch soll instinktives, schnelles Handeln auslösen, kein langes Nachdenken.

Häufige Fragen

Ist der Geruchsstoff im Gas giftig?

In den winzigen zugesetzten Mengen gelten THT und Mercaptane nicht als gesundheitsschädlich. Sie dienen ausschließlich der Warnung, nicht als Gefahrstoff selbst.

Riecht Biogas oder Flüssiggas auch künstlich?

Flüssiggas wie Autogas oder Grillgas wird ebenfalls odoriert, da Propan und Butan von Natur aus kaum riechen. Biogas kann je nach Aufbereitung bereits einen leichten Eigengeruch haben, wird aber für die Einspeisung ins Erdgasnetz ebenso odoriert wie normales Erdgas.

Warum riecht es manchmal kurz nach Gas, obwohl kein Leck vorliegt?

Beim Anzünden eines Gasherds oder beim Anschließen neuer Geräte kann kurzzeitig etwas unverbranntes Gas aus der Leitung entweichen, das dann kurz riechbar ist. Hält der Geruch an oder wird er stärker, sollte trotzdem sofort wie bei einem Leck reagiert werden.

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Quelle
Die Odorierung von Erdgas ist in Deutschland im DVGW-Arbeitsblatt G 280 geregelt; gängige Odoriermittel sind Tetrahydrothiophen (THT) und Mercaptane.