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Chemie

Warum kribbelt Brausepulver auf der Zunge?

Kurz erklärt

Weil im Mund winzige Mengen Kohlendioxid entstehen: Speichel löst die getrennten Kristalle aus Zitronensäure und Natron, beide reagieren miteinander, und die dabei freiwerdenden Gasbläschen platzen direkt auf der Zungenoberfläche und reizen dort die Rezeptoren. Elektrischer Strom ist nicht beteiligt.

Zwei Pulver, eine Reaktion

Brausepulver besteht im Kern aus zwei Zutaten, die getrennt als feine Kristalle vorliegen: einer Säure, meist Zitronensäure, und einer Base, dem Natron (Natriumhydrogencarbonat). Solange das Pulver trocken ist, liegen beide Stoffe nebeneinander, ohne sich zu berühren, denn eine chemische Reaktion zwischen Feststoffen läuft kaum ab. Erst wenn Feuchtigkeit dazukommt, können sich die Teilchen frei bewegen und aufeinandertreffen. Dann setzt eine klassische Säure-Base-Reaktion ein: Die Zitronensäure reagiert mit dem Natron, es entstehen Wasser, Natriumcitrat und, das ist der entscheidende Teil, Kohlendioxid. Dieses Gas kann sich in Wasser nicht unbegrenzt lösen und entweicht deshalb sofort als feine Bläschen, direkt an der Stelle, an der die Reaktion stattfindet, also auf der Zunge.

Warum Speichel der Auslöser ist

Der Trick des Brausepulvers liegt genau darin, dass die Reaktion erst im Mund beginnt und nicht schon in der Tüte. Speichel besteht zu einem großen Teil aus Wasser und liefert genau die Feuchtigkeit, die gebraucht wird, damit Säure und Base sich lösen und ineinander diffundieren können. Ein trockener Finger auf trockenem Pulver bleibt deshalb fast wirkungslos, es fehlt schlicht das Lösungsmittel für die Reaktion. Erst der Kontakt mit einer feuchten, warmen Zunge startet die Reaktion zuverlässig und schnell. Das ist auch der Grund, warum Brausepulver in einer fest verschlossenen, trockenen Verpackung stabil bleibt, aber sofort reagiert, sobald es angefeuchtet wird.

Warum es sich wie ein kleiner Stromschlag anfühlt

Das Kribbeln selbst ist kein elektrischer Reiz, auch wenn es sich so anfühlt. Auf der Zunge sitzen dicht an dicht Berührungs- und Schmerzrezeptoren, die auch feinste mechanische Reize registrieren. Wenn Hunderte winzige Gasbläschen gleichzeitig entstehen und wieder platzen, erzeugt das viele kurze, punktuelle Druckreize auf genau dieser Rezeptordichte, und das Gehirn deutet dieses Muster aus vielen schnellen Einzelimpulsen als prickelndes, fast elektrisches Gefühl. Verstärkt wird der Effekt dadurch, dass CO2 in Wasser zu einem kleinen Teil Kohlensäure bildet, die zusätzlich die für Säure und Schärfe empfindlichen Nervenenden reizt. Es ist also eine Kombination aus mechanischem Sprudeln und einem leichten chemischen Säurereiz, nicht Elektrizität.

Warum Brausepulver auch sauer schmeckt

Neben dem Kribbeln fällt meist auch ein saurer Geschmack auf. Er kommt nicht nur von der ursprünglichen Zitronensäure, sondern bleibt auch nach der Reaktion teilweise erhalten, weil in handelsüblichem Brausepulver meist mehr Säure als Natron enthalten ist. Dadurch reagiert nicht die gesamte Zitronensäure ab, ein Rest bleibt bestehen und sorgt für den vertrauten sauren Geschmack, während das entstandene Natriumcitrat eher mild-salzig schmeckt und oft zusätzlich mit Zucker und Aroma überdeckt wird. Erst dieses Zusammenspiel aus Restsäure, Süße und Aroma ergibt den typischen Brause-Geschmack, das Kribbeln allein wäre geschmacklich neutral.

Verwandtschaft zu Sprudelwasser und Mentos-Cola

Das gleiche Grundprinzip, freiwerdendes CO2 als Auslöser für das Prickeln, steckt auch hinter Mineralwasser mit Kohlensäure. Dort wurde das Gas allerdings schon bei der Abfüllung unter Druck ins Wasser gepresst und entweicht erst beim Öffnen und Trinken. Bei Brausepulver dagegen entsteht das Gas erst durch die chemische Reaktion im Mund selbst, das Prickeln setzt also gezielt und verzögert ein. Noch deutlich stärker zeigt sich das Prinzip beim bekannten Mentos-in-Cola-Effekt: Dort wird durch die raue Oberfläche der Bonbons vorhandenes, bereits gelöstes CO2 schlagartig und in großer Menge freigesetzt, während bei Brausepulver das Gas erst neu gebildet wird und in deutlich kleineren Mengen entsteht. Deshalb bleibt es beim sanften Kribbeln und wird nicht zur Fontäne.

Häufige Fragen

Prickelt Brausepulver in warmem Wasser stärker als in kaltem?

Ja, tendenziell. Chemische Reaktionen laufen bei höherer Temperatur schneller ab, dadurch entsteht das Kohlendioxid schneller und das Prickeln fällt intensiver, aber auch kürzer aus.

Ist das Kribbeln schädlich für die Zunge?

In haushaltsüblichen Mengen nicht. Es handelt sich um eine kurze, milde Reizung der Rezeptoren durch Gasbläschen und etwas Säure, keine Verätzung.

Warum sprudelt Mentos in Cola so viel stärker als Brausepulver im Mund?

Bei Cola wird bereits gelöstes CO2 schlagartig durch die raue Bonbonoberfläche freigesetzt. Bei Brausepulver entsteht das Gas erst durch eine Reaktion und in viel kleineren Mengen.

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Quelle
Reaktion Zitronensäure + Natriumhydrogencarbonat -> Kohlendioxid, Wasser, Natriumcitrat; Rezeptorreizung mechanisch-chemisch, keine elektrische Ladung (Grundlagen Lebensmittelchemie).