Chemie
Warum schmeckt Cola aus der Glasflasche anders als aus der Plastikflasche?
Weil PET-Kunststoff auf molekularer Ebene nicht wirklich dicht ist: CO2 entweicht langsam durch die Flaschenwand, während etwas Sauerstoff eindringt. Glas ist für Gase komplett undurchlässig, deshalb bleibt Cola darin länger unverändert.
Plastik ist dichter als es aussieht, aber nicht dicht genug
PET besteht aus langen Kunststoffketten, die sich zu einem Netzwerk verschlingen, aber eben nicht lückenlos. Zwischen den Ketten bleiben winzige Zwischenräume, durch die sich kleine Gasmoleküle wie CO2 und O2 langsam hindurchbewegen können. Dieser Vorgang heißt Gaspermeation und läuft in beide Richtungen: Kohlendioxid aus der Cola wandert nach außen, Sauerstoff aus der Umgebungsluft sickert nach innen. Glas dagegen besteht aus einem starren, durchgehenden Netzwerk aus Silizium- und Sauerstoffatomen ohne solche Lücken. Für Gasmoleküle gibt es dort schlicht keinen Weg hindurch, weshalb eine gut verschlossene Glasflasche den ursprünglichen CO2-Druck bis zum Öffnen exakt hält.
Warum weniger CO2 den Geschmack verändert
CO2 ist nicht nur für das Prickeln zuständig. Ein Teil davon löst sich im Wasser zu Kohlensäure, die der Cola einen Teil ihrer charakteristischen Säure und Frische gibt. Geht CO2 verloren, sinkt der Druck, die Bläschen werden schwächer und gleichzeitig verschiebt sich der Säureeindruck im Mund. Das Getränk schmeckt dann flacher, süßer und stumpfer, obwohl Zucker- und Aromengehalt eigentlich unverändert sind. Dieser Effekt ist rein physikalisch und tritt bei jeder Verpackung auf, sobald CO2 entweicht, er verläuft bei PET nur deutlich schneller als bei Glas oder Aluminium.
Der eingedrungene Sauerstoff verändert die Aromen
Der zweite Effekt läuft in die Gegenrichtung. Cola enthält empfindliche Aromastoffe, etwa ätherische Öle aus Zitrusfrüchten und Gewürzen, die für den typischen Geschmack sorgen. Sauerstoff reagiert mit solchen Molekülen in leichten Oxidationsreaktionen, ähnlich wie beim Ranzigwerden von Fett oder beim Nachdunkeln eines aufgeschnittenen Apfels, nur viel langsamer und subtiler. Über mehrere Wochen verändert das das Aromaprofil minimal: Es wirkt weniger frisch, manchmal leicht papierartig oder abgestanden. Bei einer Glasflasche fehlt dieser Sauerstoffeintrag praktisch komplett, weshalb der ursprüngliche Geschmack länger erhalten bleibt.
Warum die Industrie trotzdem auf Plastik setzt
Wenn Glas in Sachen Geschmackserhalt klar im Vorteil ist, stellt sich die Frage, warum PET überhaupt so verbreitet ist. Der Grund liegt nicht im Geschmack, sondern in der Logistik: PET-Flaschen sind viel leichter, was Transport und Kraftstoff spart, sie zerbrechen nicht und sind günstiger in der Herstellung. Für den Großteil der Konsumenten, die eine Flasche innerhalb weniger Tage austrinken, fällt der Qualitätsunterschied kaum auf. Er wird erst relevant, wenn eine Flasche wochenlang im Vorratsschrank oder Kofferraum steht, weil sich Gaspermeation und Oxidation über die Zeit aufsummieren.
Was das für den Alltag bedeutet
Frisch abgefüllt schmecken Cola aus Glas und aus PET nahezu identisch, der Unterschied ist ein Alterungseffekt, kein Herstellungsunterschied. Wer den vollen Sprudel und das ursprüngliche Aroma erhalten will, sollte PET-Flaschen zügig austrinken und kühl sowie fest verschlossen lagern, da niedrigere Temperaturen sowohl die Gasdiffusion als auch die Oxidationsreaktionen verlangsamen. Wer Cola dagegen länger bevorraten möchte, ist mit Glasflaschen oder Aluminiumdosen besser bedient, weil beide Materialien für Gase praktisch undurchlässig sind.
Häufige Fragen
Macht die Lagerung im Kühlschrank einen Unterschied?
Ja. Kälte verlangsamt sowohl die Gaspermeation durch PET als auch die Oxidationsreaktionen, wodurch sich der Geschmacksverlust deutlich hinauszögert.
Schmeckt Cola aus der Aludose auch anders als aus Glas?
Kaum. Aluminium ist wie Glas für Gase praktisch undurchlässig, weshalb sich Dose und Glasflasche in dieser Hinsicht ähnlich verhalten.
Merkt man den Unterschied schon bei einer frisch gekauften Flasche?
In der Regel nicht. Der Effekt baut sich über Wochen auf, direkt nach dem Abfüllen unterscheiden sich Glas- und PET-Cola geschmacklich kaum.