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Chemie

Warum riecht Regen nach Regen (Petrichor-Geruch)?

Der typische Regengeruch heißt Petrichor. Er entsteht, wenn Regentropfen auf trockenen Boden treffen und dabei den Duftstoff Geosmin, den Bodenbakterien produziert haben, als feinen Sprühnebel in die Luft schleudern.

Was genau ist Petrichor?

Petrichor ist der Name für den charakteristischen, erdig-frischen Geruch, der aufkommt, wenn Regen auf trockenen Boden fällt. Der Begriff setzt sich aus griechischen Wurzeln zusammen und bedeutet sinngemäß so etwas wie 'Stein-Blut' - ein Bild dafür, dass der Duft aus dem Boden selbst zu kommen scheint. Petrichor ist aber kein einzelner Stoff, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Geruchskomponenten. Die wichtigste davon ist eine chemische Verbindung namens Geosmin.

Woher kommt das Geosmin?

Geosmin wird von Bodenbakterien gebildet, vor allem von einer Gruppe namens Actinomyceten (auch Actinobakterien genannt). Diese Bakterien leben massenhaft im Erdreich und sind eigentlich Zersetzer: Sie bauen abgestorbenes organisches Material ab. Wenn der Boden über längere Zeit trocken ist, produzieren diese Bakterien vermehrt Geosmin. Warum sie das genau tun, ist nicht vollständig geklärt, es wird aber vermutet, dass der Stoff mit ihrem Lebenszyklus und der Bildung von Sporen zusammenhängt, mit denen die Bakterien Trockenperioden überstehen. Das Geosmin bleibt zunächst im Boden gebunden und wartet quasi darauf, freigesetzt zu werden.

Wie schafft es der Duft aus dem Boden in die Luft?

Der entscheidende Mechanismus passiert im Moment des Auftreffens eines Regentropfens auf poröse, trockene Erde. Der Tropfen breitet sich beim Aufprall aus und schließt dabei winzige Luftbläschen ein, die im Boden oder an dessen Oberfläche gefangen waren. Diese Luftbläschen steigen im Tropfen nach oben und platzen an der Oberfläche. Dabei schießen sie feinste Flüssigkeitströpfchen, ein sogenanntes Aerosol, regelrecht nach oben in die Luft. Diese Mikrotröpfchen tragen die im Boden gelösten Duftmoleküle, darunter Geosmin, mit sich und verteilen sie in der Umgebungsluft. Genau deshalb riecht man den ersten Regen oft schon, bevor er einen selbst trifft: Der Wind trägt das Aerosol mit den Duftstoffen voraus.

Warum ist unsere Nase für Geosmin so empfindlich?

Der menschliche Geruchssinn kann Geosmin in extrem geringen Konzentrationen wahrnehmen, empfindlicher als bei den meisten anderen Duftstoffen. Eine verbreitete Erklärung dafür ist evolutionär: Der Geruch von feuchter Erde beziehungsweise das Signal 'hier gibt es Wasser' könnte für frühe Menschen und ihre Vorfahren überlebenswichtig gewesen sein, etwa bei der Suche nach Wasserstellen in trockenen Regionen. Eine feine Nase für dieses Signal wäre demnach ein evolutionärer Vorteil gewesen. Ob diese Erklärung die einzige ist, lässt sich im Nachhinein nicht mit letzter Sicherheit beweisen, sie passt aber gut dazu, wie stark und unmittelbar viele Menschen den Regengeruch als angenehm oder vertraut empfinden.

Warum riecht nicht jeder Regen gleich?

Petrichor ist nur einer von mehreren Faktoren, die den Geruch von Regen prägen, und seine Stärke hängt von den Umständen ab. Je trockener und poröser der Boden vorher war, desto mehr Luft und Duftstoffe können beim Tropfenaufprall freigesetzt werden. Auf sehr nassem oder versiegeltem Boden, etwa Asphalt, fällt der Effekt entsprechend schwächer aus oder bleibt aus. Zusätzlich spielen andere Gerüche eine Rolle, etwa der leicht metallische, scharfe Geruch von Ozon, das bei Gewittern durch elektrische Entladungen in der Luft entstehen kann. Auch Pflanzenöle, die sich bei Trockenheit auf Blättern und im Boden ansammeln und vom Regen ebenfalls aufgewirbelt werden, tragen zum Gesamteindruck bei. Der typische 'Regengeruch' ist also eine Mischung aus mikrobiologischem Signal, physikalischem Aerosol-Effekt und weiteren chemischen Spuren in der Luft.

Haeufige Fragen

Ist Geosmin gefährlich oder giftig?

Nein, Geosmin selbst ist für Menschen ungefährlich. Bekannt ist es vor allem, weil es in hohen Konzentrationen auch Trinkwasser oder Fisch einen unerwünschten erdigen Geschmack geben kann.

Warum riecht Regen auf Asphalt anders als auf Erde?

Asphalt ist kaum porös und enthält keine geosminbildenden Bodenbakterien, daher fehlt der typische Petrichor-Effekt. Der Geruch dort stammt eher von Staub, Ölresten und anderen Ablagerungen, die abgewaschen werden.

Warum riecht man manchen Regen schon, bevor er ankommt?

Wind kann das beim Tropfenaufprall entstehende Aerosol mit den Duftstoffen der Regenfront vorauswehen, sodass der Geruch schon spürbar ist, bevor die eigentlichen Tropfen fallen.

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Quelle
Fachbegriffe: Petrichor, Geosmin, Actinomyceten/Actinobakterien; Aerosol-Mechanismus durch Tropfenaufprall auf porösen Boden.