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Physik

Warum bläht sich eine geschlossene Chipstüte im Flugzeug auf?

Kurz erklärt

Weil in der Kabine ein niedrigerer Luftdruck herrscht als am Boden, wo die Tüte versiegelt wurde. Die eingeschlossene Luft dehnt sich deshalb aus und presst die Tüte prall auf.

Ein Flugzeug fliegt nicht mit Meereshöhen-Druck

Viele denken, in einem Flugzeug herrsche derselbe Luftdruck wie am Boden. Das stimmt nicht. Kabinen werden zwar druckbeaufschlagt, aber nicht bis auf den vollen Druck auf Meereshöhe von etwa 1013 Hektopascal (hPa). Stattdessen halten Fluggesellschaften den Kabinendruck auf einem Niveau, das einer Höhe von rund 2000 bis 2400 Metern entspricht, also etwa 750 bis 800 hPa. Luftfahrtbehörden wie die amerikanische FAA erlauben ein Kabinendruck-Äquivalent von maximal etwa 2438 Metern (8000 Fuß). Das ist ungefähr die Höhe, auf der viele Alpenorte liegen. Die Chipstüte wurde aber am Boden versiegelt, bei vollem Druck. Sobald das Flugzeug steigt und der Kabinendruck sinkt, herrscht außen an der Tüte plötzlich weniger Gegendruck als innen.

Warum wird die Kabine nicht komplett auf Bodendruck gebracht?

Das wäre technisch möglich, aber teuer und riskant. Der Rumpf eines Flugzeugs ist ein Druckbehälter: Je größer der Unterschied zwischen Innen- und Außendruck, desto mehr Kraft muss die Struktur aushalten. In Reiseflughöhe, oft über 10.000 Meter, herrscht draußen extrem dünne Luft mit einem Bruchteil des Bodendrucks. Würde man die Kabine auf vollen Meereshöhen-Druck bringen, müsste der Rumpf viel stärker gebaut werden, was ihn schwerer und den Flug teurer machen würde. Der Kompromiss aus Sicherheit, Gewicht und Komfort liegt deshalb bei jenem Höhen-Äquivalent von rund 2000 bis 2400 Metern. Menschen kommen mit diesem etwas geringeren Druck in der Regel gut zurecht, spüren aber teils leichte Effekte wie ein Völlegefühl oder eben pralle Verpackungen.

Das Gesetz dahinter: Boyle-Mariotte

Physikalisch beschreibt das Gesetz von Boyle-Mariotte diesen Effekt: Bei gleichbleibender Temperatur ist das Produkt aus Druck und Volumen eines eingeschlossenen Gases konstant (p mal V ist konstant). Sinkt der Druck von außen, muss sich das Volumen der eingeschlossenen Luft vergrößern, damit die Gleichung aufgeht. Die Luftmenge in der Tüte selbst ändert sich nicht, es kommt kein zusätzliches Gas hinzu. Nur der Raum, den diese Luftmenge einnimmt, wird größer, weil außen weniger dagegenhält. Die Tüte ist elastisch genug, um mitzugeben, bis sie prall gespannt ist. Bei sehr großem Druckunterschied oder einer bereits sehr vollen Verpackung kann sie dabei tatsächlich reißen.

Warum überhaupt Luft in der Tüte ist

Die Luft in einer Chipstüte ist kein Zufall und keine Verschwendung. Sie wird beim Abpacken gezielt mit eingeschlossen, meist als Schutzgas wie Stickstoff statt normaler Umgebungsluft. Diese Gaspolsterung hat zwei Aufgaben: Sie dämpft Stöße beim Transport, damit die Chips nicht zerbrechen, und sie verdrängt Sauerstoff, der die Chips sonst schneller ranzig werden ließe. Genau dieses Luftpolster ist es, das auf Flughöhe expandiert. Ohne die Schutzluft wären die Chips zwar am Boden schon zerbröselt, würden sich aber im Flug nicht sichtbar aufblähen.

Nicht nur Chips: derselbe Effekt überall an Bord

Das Prinzip zeigt sich bei jeder geschlossenen, elastischen Verpackung mit Restluft: leere Plastikflaschen, die man am Boden fest zugedreht hat, Deo-Roller oder Reise-Tuben, Kosmetikverpackungen oder aufblasbare Nackenkissen. Auch der eigene Körper spürt die Druckänderung, am deutlichsten in den Ohren. Die Luft im Mittelohr passt sich dem sinkenden oder steigenden Umgebungsdruck über die Ohrtrompete an, was beim Landeanflug oft ein Druckgefühl oder Schmerzen verursacht, weil der Ausgleich langsamer geht als der Druckabfall beim Steigen. Gase im Darm dehnen sich aus demselben Grund während des Fluges leicht aus, ein Effekt, den viele als Blähungsgefühl an Bord kennen.

Häufige Fragen

Kann eine Chipstüte im Flugzeug tatsächlich platzen?

Ja, bei stark gefüllten oder bereits vorgedehnten Verpackungen reicht die Ausdehnung manchmal aus, dass die Naht aufreißt. Sicherer Umgangsweg: Verpackungen nie randvoll mit Luft ins Handgepäck packen.

Warum tun beim Landeanflug oft die Ohren weh?

Weil sich der Druck im Mittelohr über die Ohrtrompete an den steigenden Kabinendruck anpassen muss. Das geht langsamer als der Druckanstieg beim Sinkflug, wodurch ein spürbares Druckgefühl entsteht.

Warum wird die Kabine nicht auf vollen Meereshöhen-Druck gebracht?

Ein größerer Druckunterschied zwischen innen und außen würde den Rumpf stärker belasten und eine schwerere, teurere Bauweise erfordern. Der übliche Kompromiss entspricht einer Höhe von etwa 2000 bis 2400 Metern.

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Quelle
Kabinendruck-Standard laut Luftfahrtbehörden (z.B. FAA): Kabinendruck-Äquivalent von maximal etwa 2438 m / 8000 ft. Physikalische Grundlage: Gesetz von Boyle-Mariotte (p·V = konstant bei gleicher Temperatur).