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Physik

Warum tun die Ohren beim Landeanflug im Flugzeug weh?

Kurz erklärt

Beim Sinkflug steigt der Kabinendruck schneller, als die Eustachische Röhre den Druck im Mittelohr ausgleichen kann - der höhere Außendruck drückt dann von außen aufs Trommelfell. Schlucken oder Gähnen öffnet die Röhre und lässt den Druck sich angleichen.

Eine Luftblase hinter dem Trommelfell

Das Mittelohr ist ein kleiner, luftgefüllter Hohlraum hinter dem Trommelfell. Damit das Trommelfell frei schwingen und Schall gut übertragen kann, muss der Luftdruck in diesem Hohlraum genau dem Druck im Gehörgang entsprechen. Verbunden ist das Mittelohr mit dem Rachen über die Eustachische Röhre, einen wenige Zentimeter langen, engen Kanal. Im Normalzustand ist diese Röhre geschlossen und öffnet sich nur kurz, wenn man schluckt, gähnt oder kaut. Genau dieses kurze Öffnen ist der Mechanismus, über den der Druck im Mittelohr an den Umgebungsdruck angepasst wird.

Warum die Kabine überhaupt Druck ändert

In Reiseflughöhe ist die Luft draußen viel zu dünn zum Atmen, deshalb wird die Kabine auf einen Druck gebracht, der etwa der Höhe eines mittelhohen Berges entspricht, spürbar niedriger als der Druck am Boden. Beim Sinkflug muss die Kabine wieder auf den normalen Druck am Zielort gebracht werden, der Kabinendruck steigt also kontinuierlich an, während das Flugzeug an Höhe verliert. Dieser Anstieg passiert über gut zwanzig bis dreißig Minuten, für den engen Kanal der Eustachischen Röhre ist das mitunter zu schnell.

Warum ausgerechnet der Sinkflug wehtut

Die Eustachische Röhre funktioniert wie eine Art Einwegventil mit unterschiedlichem Widerstand in beide Richtungen. Beim Steigflug sinkt der Außendruck, der Druck im Mittelohr ist dann relativ höher als draußen. Diese überschüssige Luft drückt die Röhre von innen recht leicht auf und entweicht von selbst, oft ohne dass man es bewusst bemerkt. Beim Sinkflug ist es umgekehrt: Der Außendruck wird höher als der Druck im Mittelohr, und dieser Überdruck presst die Röhre eher noch zusätzlich zu, statt sie zu öffnen. Um jetzt Luft nachströmen zu lassen, braucht es aktives Muskelspiel, also Schlucken oder Gähnen. Deshalb sind Ohrenschmerzen beim Landeanflug deutlich häufiger als beim Start.

Was wirklich hilft

Wirksam ist alles, was die Muskeln aktiviert, die die Eustachische Röhre öffnen. Schlucken reicht oft schon, deshalb helfen Kaugummikauen oder Trinken in kleinen Schlucken während des Sinkflugs. Gähnen wirkt aus demselben Grund. Reicht das nicht, hilft das Valsalva-Manöver: Nase zuhalten, Mund geschlossen halten und sanft ausatmen, so als wolle man sich die Nase putzen. Der Druck im Rachenraum presst dabei aktiv Luft durch die Röhre ins Mittelohr. Wichtig ist, das schon zu tun, sobald der Sinkflug beginnt, und nicht erst zu warten, bis es schon schmerzt, denn ein bereits eingeklemmtes Trommelfell lässt sich schwerer ausgleichen.

Wer besonders betroffen ist

Bei einer Erkältung oder Allergie ist die Schleimhaut in Nase und Rachen geschwollen, das verengt die ohnehin enge Eustachische Röhre zusätzlich oder verstopft sie ganz. Ein Druckausgleich wird dann deutlich schwerer oder unmöglich, weshalb bei starkem Schnupfen oft von Fliegen abgeraten wird beziehungsweise abschwellende Nasensprays vor dem Sinkflug empfohlen werden. Babys und Kleinkinder trifft es besonders oft, weil ihre Eustachische Röhre enger und noch waagerechter verläuft als bei Erwachsenen und sie nicht auf Kommando schlucken oder sich die Nase zuhalten können. Ein Schnuller, eine Trinkflasche oder Stillen während des Sinkflugs regt bei ihnen das nötige Schlucken an.

Wenn der Ausgleich ausbleibt

Gelingt der Druckausgleich gar nicht, spricht man von einem Barotrauma des Mittelohrs. Der Druckunterschied wölbt das Trommelfell nach innen, was zu stechenden Schmerzen, einem Druckgefühl und vorübergehender Hörminderung führt. In ausgeprägten Fällen kann sich Flüssigkeit im Mittelohr ansammeln oder das Trommelfell leicht einreißen. Meist heilt das von selbst innerhalb einiger Tage bis Wochen, hält der Schmerz aber an oder verschlechtert sich das Hören deutlich, ist eine Abklärung beim HNO-Arzt sinnvoll.

Häufige Fragen

Warum weinen Babys beim Landeanflug so oft?

Ihre Eustachische Röhre ist enger und liegt waagerechter als bei Erwachsenen, außerdem können sie den Druck nicht bewusst durch Schlucken ausgleichen. Der Schmerz beim Sinkflug ist bei ihnen deshalb häufiger und für die Eltern durch das Weinen gut hörbar.

Ist das Valsalva-Manöver gefährlich?

Sanft ausgeführt ist es unbedenklich und wird auch von Tauchern zum Druckausgleich genutzt. Zu kräftiges Pressen sollte man vermeiden, da es das Trommelfell oder das Innenohr belasten kann.

Warum tut es beim Start seltener weh als bei der Landung?

Beim Steigflug entweicht die überschüssige Luft aus dem Mittelohr von selbst durch die Eustachische Röhre. Beim Sinkflug presst der steigende Außendruck die Röhre eher zu, sodass aktives Schlucken oder Gähnen nötig ist.

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Quelle
Fachbegriffe Eustachische Röhre (Tuba auditiva) und Barotrauma des Mittelohrs, Standard-HNO-Faktenlage laut Notizen der Folge.