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Physik

Ist die Erde eine Kugel oder eine Scheibe?

Kurz erklärt

Die Erde ist eine Kugel, genauer ein an den Polen leicht abgeplattetes Rotationsellipsoid. Das erzwingt schon ihre eigene Schwerkraft, und es lässt sich mit einfachen Beobachtungen wie dem runden Erdschatten bei einer Mondfinsternis direkt nachprüfen.

Warum die Schwerkraft nur eine Kugel zulässt

Die Erde besteht aus Milliarden Tonnen Gestein und Metall, und jedes einzelne Teilchen davon zieht jedes andere an. Bei einem Himmelskörper von der Masse der Erde ist diese Anziehung so stark, dass sie jede grobe Unebenheit ausgleicht: Würde irgendwo zu viel Material herausragen, würde die Schwerkraft es so lange nach innen ziehen, bis die Oberfläche wieder überall etwa gleich weit vom Massenschwerpunkt entfernt ist. Physiker nennen diesen Zustand hydrostatisches Gleichgewicht. Das Ergebnis kann nur eine Kugelform sein, keine Scheibe und kein Würfel, denn nur bei einer Kugel ist der Abstand zur Mitte überall gleich. Selbst die höchsten Berge und tiefsten Gräben ändern daran kaum etwas: Im Verhältnis zum gesamten Erdkörper sind sie winzige Unebenheiten, vergleichbar mit der Rauheit einer Orangenschale.

Warum die Erde keine perfekte Kugel ist

Genau genommen ist die Erde nicht ganz rund. Sie dreht sich einmal am Tag um die eigene Achse, und diese Rotation erzeugt eine Fliehkraft, die am Äquator am stärksten wirkt und an den Polen gar nicht. Dadurch wölbt sich die Erde am Äquator etwas nach außen und ist an den Polen leicht abgeplattet, ähnlich wie ein Ball, der zusammengedrückt wird, während man ihn dreht. Fachleute sprechen deshalb von einem abgeplatteten Rotationsellipsoid statt von einer perfekten Kugel. Der Unterschied ist im Alltag nicht sichtbar, er zeigt sich nur bei genauen Vermessungen, ändert aber nichts am Grundprinzip: Die Erde ist rund, nicht flach.

Der Beweis am Nachthimmel

Einen der überzeugendsten Beweise liefert die Erde selbst, jedes Mal wenn eine Mondfinsternis stattfindet. Dabei schiebt sich die Erde zwischen Sonne und Mond und wirft ihren Schatten auf die Mondoberfläche. Dieser Schatten ist immer rund, egal zu welcher Jahreszeit, an welchem Ort auf der Erde man steht oder aus welchem Winkel die Erde gerade beleuchtet wird. Eine Scheibe könnte das nicht leisten: Je nach Stellung würde sie einen ovalen Schatten werfen oder, wenn man von der Kante her draufblickt, nur einen schmalen Strich. Nur eine Kugel wirft aus jeder erdenklichen Richtung denselben runden Schatten. Diese Beobachtung war schon in der Antike bekannt und zählt bis heute zu den einfachsten Belegen für die Kugelform.

Der Beweis am Horizont

Auch ganz ohne Mondfinsternis lässt sich die Krümmung der Erde beobachten, zum Beispiel am Meer oder an einem großen See. Ein Schiff, das sich entfernt, verschwindet nicht einfach als Ganzes im Dunst, sondern zuerst der Rumpf und erst danach der Mast. Der Grund: Die gekrümmte Erdoberfläche schiebt sich zwischen Beobachter und Schiff und verdeckt zuerst den unteren, näher am Wasser liegenden Teil. Bei einer flachen Scheibe gäbe es diesen Effekt nicht, das Schiff würde lediglich gleichmäßig kleiner werden, bis es als winziger Punkt verschwindet, aber immer als Ganzes sichtbar bleiben. Mit einem Fernglas lässt sich dieser Unterschied gut nachvollziehen, indem man ein weit entferntes Schiff beobachtet.

Wie die Kugelform schon vor über 2000 Jahren gemessen wurde

Dass die Erde rund ist, weiß die Menschheit nicht erst seit Satellitenbildern. Bereits in der Antike gelang es, die Kugelform nachzuweisen und sogar den Erdumfang näherungsweise zu berechnen. Die Methode nutzte die Sonne als Messwerkzeug: An einem bestimmten Tag im Jahr steht die Sonne an einem Ort so hoch, dass ein senkrechter Stab keinen Schatten wirft. An einem anderen Ort, weiter nördlich oder südlich, wirft ein baugleicher Stab zur gleichen Zeit jedoch einen leichten Schatten. Dieser Winkelunterschied lässt sich nur erklären, wenn die Erdoberfläche zwischen den beiden Orten gekrümmt ist. Aus dem gemessenen Winkel und der bekannten Entfernung zwischen den Orten ließ sich der gesamte Erdumfang hochrechnen, ein bemerkenswert cleverer Beweis ganz ohne moderne Technik.

Warum sich die Erde für uns trotzdem flach anfühlt

Wenn die Erde so eindeutig eine Kugel ist, warum sieht die Landschaft um uns herum dann meist flach aus? Die Antwort liegt im Größenverhältnis. Die Erde ist so gewaltig, dass die Krümmung auf kurze Distanzen kaum ins Gewicht fällt. Für einen Menschen, der nur wenige Kilometer weit blicken kann, wirkt selbst eine riesige Kugel wie eine ebene Fläche, ähnlich wie die Oberfläche eines sehr großen Balls für eine Ameise, die auf ihm läuft, lokal flach erscheinen würde. Erst über größere Entfernungen oder aus großer Höhe, etwa bei Blicken vom Flugzeug oder von Satellitenbildern, wird die Wölbung sichtbar. Die tägliche Erfahrung täuscht hier, während die genaueren Beobachtungsmethoden, Schatten, Horizont und Vermessung, die wahre Form zuverlässig zeigen.

Häufige Fragen

Warum spüren wir die Erdkrümmung nicht, wenn wir auf der Erde stehen?

Weil der Erdradius im Vergleich zu unserer Körpergröße und unserem Blickfeld riesig ist. Auf kurze Distanzen wirkt jede sehr große Kugel wie eine flache Ebene.

Ist die Erde eine perfekte Kugel?

Nicht ganz. Durch die Rotation ist sie an den Polen leicht abgeplattet und am Äquator etwas ausgebeult, Fachleute sprechen von einem Rotationsellipsoid.

Wie konnte man den Erdumfang schon in der Antike berechnen?

Über den Vergleich von Schattenwinkeln an zwei verschieden weit entfernten Orten zur gleichen Zeit. Aus dem Winkelunterschied und der Entfernung ließ sich der Umfang hochrechnen.

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Quelle
Fachbegriffe: hydrostatisches Gleichgewicht, abgeplattetes Rotationsellipsoid; historische Methode nach Eratosthenes über Schattenwinkel in zwei Städten.